Real I.S. Research News 09 I 2021

Juli 2021

Australien – Grüne Energie wird zum Konjunkturmotor

Australiens Konjunktur und Immobilienmärkte werden von der Wasserstoff-Produktion profitieren

Australien setzt auf klimafreundliche Energieproduktion und besetzt damit ein wichtiges Wachstumsfeld der kommenden Jahrzehnte. Zukünftig könnte grüner Wasserstoff zum Exportschlager der australischen Wirtschaft avancieren, denn um die ambitionierten CO2-Reduktionsziele zu erreichen, setzen die westlichen Industrieländer auf umweltfreundlichere Energiequellen. Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen sind hierfür nur ein Vorgeschmack: Laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll die EU bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden. Eine wichtige Maßnahme zur Erreichung dieses Ziels wäre die Produktion von grünem Wasserstoff. Da aber die Produktionsmöglichkeiten in Europa auf absehbare Zeit nicht die Nachfrage abdecken werden, könnte Australien hierfür eine wichtige Rolle übernehmen und die EU mit nachhaltig produzierter Energie versorgen.

Was ist grüner Wasserstoff?

Bei der Erzeugung von Wasserstoff wird Wasser mit Hilfe von elektrischem Strom in einem Elektrolyseverfahren in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Von grünem Wasserstoff spricht man dann, wenn der für die Elektrolyse eingesetzte Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind- oder Sonnenenergie erzeugt wird. Wasserstoff ist ein Gas und kann gespeichert und per Schiff transportiert werden bzw. über Gasleitungen innerhalb eines Landes bzw. eines Kontinents weiterverteilt werden. Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff sind der Betrieb von Brennstoffzellen in der Industrie, beispielsweise bei der Herstellung von Stahl oder in der chemischen Industrie für die Produktion von Düngemitteln. Folglich sind insbesondere Unternehmen aus der Stahlherstellung und der Chemiebranche an dem Einsatz von grünem Wasserstoff interessiert um die Klimaziele zu erreichen.

Australien investiert massiv in den Ausbau der Wasserstofferzeugung

Australiens Regierung hat frühzeitig auf den Ausbau erneuerbarer Energiequellen gesetzt. Rückenwind für ihr Vorhaben bekommt die Regierung von dem australischen Investor Andrew Forrest. Dieser forscht seit Jahren an einem effizienten Herstellungsprozess von grünem Wasserstoff und will jetzt Milliarden in die Produktion investieren. Bereits ab 2023 soll grüner Wasserstoff in nennenswertem Umfang produziert werden. Bis 2030 soll die jährliche Kapazität bei 15 Millionen Tonnen liegen. Zum Vergleich: Das deutsche Wirtschaftsministerium plant bis 2030 die jährliche Produktion von 0,5 Millionen Tonnen grünem Wasserstoff. Forrest plant Zug um Zug mit der Steigerung der Wasserstoffproduktion auch den Ausbau von Wind- und Sonnenergie als Energielieferant für den Elektrolyseprozess. Der Unternehmer ist Eigentümer von großen Landflächen in Australien und will hierauf bis 2030 Windräder und Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 150 Gigawatt installieren (die Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie liegt zum Vergleich in Deutschland aktuell bei knapp 100 Gigawatt). Der grüne Wasserstoff könnte dann per Schiffstransport an die großen europäischen Seehäfen wie z.B. Rotterdam geliefert werden und von dort per Gasleitung zu den Unternehmen gelangen.   

Die deutsche Industrie, allen voran der BDI, ist an dem Vorhaben des australischen Investors sehr interessiert. Um die Zusammenarbeit besser steuern zu können wurden bereits Arbeitsgemeinschaften wie die „HySupply – Deutsch-Australische Machbarkeitsstudie zu Wasserstoff aus erneuerbaren Energien“ und die „German-Australian Hydrogen Alliance“ gegründet. 

Fazit: Langfristiger Wachstumsschub für Australien

Die australische Wirtschaft ist bislang vergleichsweise gut durch die Covid-19-Pandemie gekommen. Strikte Quarantäne-Regeln bei der Einreise nach Australien werden wahrscheinlich auch weiterhin eine größere Virusausbreitung verhindern. Der Ausblick für das reale BIP-Wachstum könnte mit Wachstumsraten von 5,1 % für dieses Jahr und 3,2 % für 2022 (nach einem moderaten Rückgang des BIPs von 2,4 % in 2020) kaum besser sein. Für die Folgejahre dürfte die Produktion von grünem Wasserstoff und die damit verbundenen Investitionen in Forschung, Herstellungsanlagen, aber auch in Wind- und Photovoltaikanlagen, Australiens Wirtschaft reichlich Rückenwind verleihen. Zudem wird hierdurch die volkswirtschaftliche Wertschöpfung Australiens neben den bereits etablierten Branchen Finanzwirtschaft, Rohstofferzeugung und Gesundheitswesen weiter diversifiziert werden. Damit würde die Wirtschaft langfristig noch krisenresistenter werden als bislang. Nicht zuletzt sollten von diesem positiven Wachstumsausblick auch Impulse für die Beschäftigung, den Handel und den Warenverkehr in und um die großen Städte Australiens wie Sydney, Melbourne, Adelaide oder Brisbane ausgehen und sich somit die Erfolgsgeschichte der australischen Immobilienmärkte auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

Viele Grüße, Ihr Real I.S. Research-Team