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Das Problem der „letzten Meile“: Wie Handelsimmobilien von steigenden Logistikkosten profitieren

Oktober 2018

Der Löwenanteil der Distributionskosten bei einer Lieferung, rund 53%, entfallen auf die "letzte Meile", der letzten Etappe der Zustellung zum Kunden (s. Abb. 1). Diese gestaltet sich besonders schwierig, da die Bestellungen von den großen außerstädtisch gelegenen Logistikzentren in die Innenstädte geliefert werden müssen. Faktoren wie Fahrverbote, Restriktionen bei der Anlieferung und zunehmender Verkehr erhöhen die Komplexität. Gleichzeitig besteht beim Kunden nur eine geringe Bereitschaft, den logistischen Mehraufwand zu entgelten.

Im Rahmen einer Studie von Deloitte gaben 88% der Befragten an, die kostenlose Zustellung zu favorisieren. Dabei werden Logistikkosten zunehmend zu einem wichtigen Faktor. So betrug beispielsweise 2009 der Anteil der Logistikkosten am Nettoumsatz beim Versandriesen Amazon lediglich 16%. 2017 stieg dieser Wert auf 26% an (s. Abb. 2). Daran, dass sich die Problematik weiter verschärfen wird, besteht wenig Zweifel.

Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet vor, dass in Deutschland bis 2025 jährlich 5 Milliarden Pakete verschickt werden, doppelt so viele wie heute. Cushman & Wakefield geht bis 2021 von einer Steigerung der Kosten der "letzten Meile" um 7-10% aus. Um dieses Dilemma zu lösen, ist es notwendig, innerstädtische Flächen zu sichern. Bestehende Handelsimmobilien in guten bis sehr guten Lagen haben das Potential, von dieser Entwicklung zu profitieren, wenn man bereit ist, diese Flächen als Hybrid zwischen Handels- und Logistikfläche zu begreifen. Online eingehende Bestellungen können direkt aus den innerstädtisch gelegenen Läden heraus bedient werden, sei es durch Click-and-Collect-Konzepte oder der Auslieferung der Ware aus dem Laden (Ship-from-Store). Die Verkaufsfläche wäre somit gleichzeitig Lagerfläche. So können gut gelegene Handelsimmobilien neben dem Look-and-Feel der Warendarbietung eine Möglichkeit werden, die Logistikosten der "letzten Meile" in Anbetracht des sich abzeichnenden Kostendrucks besser unter Kontrolle zu bekommen. Auch Same-day-delivery, welche im Rahmen einer Studie von American Express bei 57% der Befragten die Kundenbindung erhöht, wäre kostengünstiger möglich.

Wie diese Überlegung in der Praxis umgesetzt werden kann, macht beispielsweise der spanische Modekonzern Inditex (u.a. Zara) vor. In einigen großen Flagshipfilialen, die in guten innerstädtischen Lagen angesiedelt sind, werden die Online eingehenden Bestellungen entgegengenommen und kom-missioniert, was hohe Anforderung an die IT des Unter-nehmens stellt. Der Kunde kann sich dann entscheiden, ob er die Ware selbst abholt oder nach Hause geliefert bekommt. Das Unternehmen kann also aus der guten Lage der Shops neben dem "Look-and-Feel" einen weiteren Vorteil im Hinblick auf die Lieferlogistik generieren. Durch den Anstieg der Kosten der Warendistribution wird die Nähe zum Kunden für Handelsimmobilien wichtiger denn je. Stimmen Lage und Konzept können innerstädtische Handelsflächen wesentlich an Bedeutung und letztlich an Wert gewinnen.

Kosten der letzten Meile mit dem Löwenanteil

Abb1: Anteil an Gesamtzustellungskosten nach Etappe
Quelle: Business Insider Future of Retail 2018

Logistikkosten gewinnen an Bedeutung

Abb2: Anteil Logistikkosten am Nettoumsatz bei Amazon
Quelle: Amazon, Statista