Real I.S. Research News 10 I 2019

Weihnachten und die Herausforderung der letzten Meile

Wie bewältigt eigentlich der Weihnachtsmann die orts- und fristgerechte Paketzustellung?

Der Weihnachtsmann ist ein Spezialist für Paketzustellung: Er muss schätzungsweise über
600 Millionen Haushalte ansteuern, um seine Pakete zu verteilen - wenn man davon ausgeht,
dass ein Drittel der Weltbevölkerung Weihnachten feiert und pro Haushalt vier Personen
leben. Eine schwedische Unternehmensberatung hat im Jahr 2007 den optimalsten
Logistikstandort für ihn ermittelt, dabei wurden Bevölkerungsdichte und Erdrotation
miteinbezogen. Das Ergebnis ist Kirgisistan! Hier liegt der optimale Standort für ein
überregionales Verteilzentrum des Weihnachtsmanns (siehe Abbildung 1).

„Last Mile“-Logistikzentren = Strategisch günstige Wohnorte des Weihnachtsmanns

Neben dem überregionalen Verteilzentrum in Kirgisistan besitzt Santa Claus - wie er im
englischsprachigen Raum genannt wird - wahrscheinlich noch weitere „Last Mile“-
Logistikzentren überwiegend in Europa, aber auch am Nord- und Südpol (siehe Abbildung 1).
Je nachdem welche Nation bzw. Familie an welcher Tradition und Weihnachtsgeschichte
festhält, gestaltet der Weihnachtsmann die Paketzustellung zeitlich und räumlich flexibel.

Der amerikanische Santa Claus wohnt am Nordpol, in manchen Überlieferungen aber auch am
Südpol. Im lappländischen Korvatunturi (Ohrenberg) soll der Weihnachtsmann gemäß den
Finnen zu Hause sein, obwohl es verschiedene Auffassungen gibt, seitdem 1998 im finnischen
Ort Rovaniemi das touristisch hochfrequentierte Santa Claus Village eröffnet hat. Nach
Überzeugung der Dänen liefert der Weihnachtsmann aus Grönland die Geschenke und nach
schwedischer Meinung ist er in Dalarna in Mittelschweden anzutreffen. Der niederländische
Sinterklaas kommt bereits Mitte November mit einem Dampfschiff aus Spanien - obwohl in
diesem Fall der Standort als „Last Mile“-Option in Südeuropa für den niederländischen Raum
nicht strategisch clever gewählt wurde. Der Schweizer Nikolaus ist im Schwarzwald wohnhaft
und andere behaupten, dass der Weihnachtsmann bzw. dessen Ursprung aus der Region von
Antalya stammen soll, was sich wohl auf den historischen Nikolaus von Myra bezieht.

Outsourcing und Veränderungen der Anforderungen – der „Mann“ muss flexibel sein

Zudem verteilt der Weihnachtsmann nicht alle Pakete selbst, sondern er betreibt auch
Outsourcing. Für große Teile in Süd- und Westdeutschland, in Luxemburg, Österreich, Südtirol,
Osteuropa sowie in Südbrasilien wurde das Christkind berechtigt die Pakete zu verteilen. In
anderen Regionen wie der Schweiz ist der Nikolaus für die Zustellung zuständig. Dennoch ist
der Weihnachtsmann mit Abstand der beliebteste Paketzusteller. Er hat im Jahr 2015 die
meisten Briefe erhalten - 327.000 Stück (siehe Abbildung 2). Sieben unterschiedliche Adressen
gibt es alleine in Deutschland, an die man seine Wunschzettel senden kann. Hinter drei
Adressen steckt das Christkind (Engelskirchen, Himmelpforten, Himmelstadt), in den
Weihnachtspostfilialen in Himmelpfort und Himmelsthür (Hildesheim) landen die Briefe für
den Weihnachtsmann und der Nikolaus hat seine Postfächer in Nikolausdorf und St. Nikolaus.

Flexibilität benötigt der Weihnachtsmann auch bei der Zusammenstellung seines
Geschenkesacks (siehe Abbildung 3). Die Anforderungen haben sich im Laufe der Jahre
geändert. Früher standen noch Puppen, Spielzeugautos, Bälle und Bücher auf dem
Wunschzettel, so sind es heutzutage eher elektronische Geräte wie Notebooks, Smartphones,
Spielkonsolen oder Kameras. Dieses ist aber auch eine positive Veränderung für den
Weihnachtsmann. In einem Interview berichtete er, dass er früher acht Schaukelpferde und
400 große Teddybären auf seinen Schlitten bekam, heute sind es hingegen über 7.000 Apple
Watches oder 10.000 Selfie-Sticks inklusive einer großen Menge von iTunes Gutscheinen.

Fazit: Was kann die Logistikbranche vom Weihnachtsmann lernen?

Der Weihnachtsmann ist ein weiser, alter Mann mit jahrelanger Arbeitserfahrung im
Logistikbereich. Er nutzt sowohl ein weltweites, überregionales Verteilzentrum, als auch „Last
Mile“-Standorte und achtet dabei darauf, dass die Logistikzentren der letzten Meile genau den
Anforderungen der Empfänger vor Ort entsprechen. Das heißt, dass hier nur Geschenke
gelagert werden, die mit den Bedürfnissen und Wünschen der umgebenen Bevölkerung
übereinstimmen.

Des Weiteren hat er einen großen Vorteil im Prozess der Abwicklung und Koordination der
Pakete im Vergleich zu herkömmlichen Paketzulieferern: sein langer Planungshorizont. Er hat
fast ein Jahr Zeit Produkte festlich einzupacken, seine Pakete vorzubereiten und die
Verteilroute zu optimieren. Lediglich die Adresse des Empfängers wird relativ kurzfristig mit
Hilfe eines automatischen Barcodesystems auf das richtige Paket geklebt, welches dann ins
richtige „Last Mile“-Lager befördert wird. Somit zeigt sich, dass auch der Weihnachtsmann von
der fortschreitenden Digitalisierung stark profitiert. Sein persönliches Highlight der
Digitalisierung war vor allem der Start des ersten GPS Satelliten im Februar 1978 zur besseren
Navigation durch den Nachthimmel.

Santa Claus betont aber selbst, dass die Herausforderung der orts- und fristgerechten
Paketzustellung nur durch sein großes und aufopferndes Team im Hintergrund zu meistern ist.
Neben seinen Geschäftspartnern dem Christkind und dem Nikolaus, arbeitet er mit einer
starken Mannschaft von effizient arbeitenden Weihnachtswichteln zusammen. Dieses zeigt,
dass Flexibilität und Effektivität der Paketzustellung durch den gezielten Einsatz von
modernen Technologien optimiert werden kann, ein gutes Team im Hintergrund jedoch
unentbehrlich ist.

Frohe Weihnachten und besinnliche Feiertage, Ihr Real I.S. Research-Team