Die „grüne Liste“ der Europäer

Nachhaltige Gebäude haben längst ihren festen Platz im Anlagespektrum professioneller Immobilieninvestoren. Sie tragen dazu bei, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Mit der einheitlichen Definition der Europäischen Union, was exakt ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten und Produkte sind, wird die Basis für den lange erhofften „Green Deal“ in Europa gelegt. Wie wichtig diese Schritte auch aus Sicht der Anleger sind, zeigt unsere aktuelle Umfrage.

Bei der Europäischen Union steht Klimaschutz weit oben auf der politischen Agenda. Das wurde spätestens mit dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 sehr deutlich. Damit einher ging auch die Übereinkunft, Kapital in Zukunft gezielt in nachhaltige Investitionen zu lenken, um die CO2-Bilanz zu verbessern und die Weichen für einen ökologischen und ressourcensparenden Wirtschaftskreislauf zu stellen. Die Frage war aber lange Zeit: Was genau sind ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten? Und wie findet man heraus, was förderungsfähig ist?

Darauf fand die EU im vergangenen Dezember eine fundierte Antwort. Sie hat eine einheitliche Definition von nachhaltigen Anlageprodukten und Tätigkeiten geschaffen – die sogenannte Taxonomie. Dieses Klassifizierungssystem deckt insgesamt sechs Ziele ab: Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recycling, Vermeidung und Verminderung von Umweltverschmutzung und Schutz gesunder Ökosysteme.

Wer gemäß der Taxonomie handeln und damit nachhaltig klassifiziert werden will, muss zu mindestens einem der ökologischen Ziele einen substanziellen Beitrag leisten und darf keines der anderen Ziele schädigen (Do No Significant Harm-Regel). Darüber hinaus müssen auch soziale Mindestanforderungen erfüllt sein, etwa die UN-Prinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und die Internationale Charta der Menschenrechte.

Mit Einführung der Taxonomie können Anleger, wenn sie in Projekte mit positiver Wirkung auf Klima und Umwelt investieren, jetzt überall von der gleichen Grundlage ausgehen und sich selbst ein Bild davon machen, ob eine Investition auch tatsächlich umweltfreundlich ist. Aus Sicht des EU-Exekutiv-Vizepräsidenten Valdis Dombrovskis, verantwortlich für das Ressort „Eine Wirtschaft im Dienste der Menschen“, ist die „grüne Liste“ die Initialzündung für den europäischen „Green Deal“ und „äußerst wichtig, um privates Kapital für die Umstellung auf eine grüne Wirtschaft zu mobilisieren“.

Und welcher Anteil kommt der Immobilienwirtschaft bei dieser Entwicklung zu? Ein erheblicher. Denn das langfristige Ziel für die Branche ist, künftig nur noch energiesparende und ressourceneffiziente Gebäude als nachhaltige Investments zu klassifizieren. Bis dahin ist es noch zwar ein weiter Weg, aber erste Schritte sind bereits getan.

So konzentrieren wir als Real I.S. uns schon seit Jahren in zunehmendem Maße auf nachhaltige Kriterien und setzen uns damit als Anbieter von Immobilieninvestments für private und institutionelle Anleger aktiv für den Klimaschutz ein. Unsere Gesamtstrategie ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, und wir orientieren uns aktuell maßgeblich an der EU-Offenlegungsverordnung sowie den MiFID-II-Regelungen. Wir achten darauf, dass unsere Produkte möglichst „grüne“ Standards erfüllen. So gibt es zahlreiche Gebäude hierzulande wie im Ausland, die schon heute den höchsten nationalen wie internationalen Umweltstandards entsprechen. Etwa die „Tanzenden Türme“ in Hamburg. Das Büroensemble im Stadtteil St. Pauli wurde mit dem internationalen Zertifikat LEED Gold für seine innovative und energieeffiziente Bauweise sowie dem schonenden Umgang mit Ressourcen ausgezeichnet. Auch das Bürohaus „C de Ligne“ im Zentrum von Brüssel, das wir nach Kernsanierung und Revitalisierung für den offenen Spezial-AIF „Real I.S. Smart“ erworben haben, trägt ein Siegel (BREEAM), das es als hochwertiges modernes Gebäude auszeichnet.

Wenn Objekte beim Ankauf noch nicht zertifiziert sind, streben wir nach dem Erwerb – wo immer möglich – ein Green Building-Prädikat an. Und selbst dort, wo eine Zertifizierung nicht umsetzbar oder nicht sinnvoll ist, versuchen wir, die Umweltstandards zu verbessern. Denn nachhaltige Gebäude sind nicht nur besser für das Klima, sondern erhöhen auch die Ertrags- und Wertstabilität sowie Verkaufschancen. Sie vermindern das Anschlussvermietungsrisiko, weil sich Flächen in „grünen“ Objekten erfolgreicher vermieten lassen als in Immobilien ohne entsprechenden Standard. Ökologische Gebäude schaffen auch Einsparpotenziale bei Betriebskosten und senken damit potentiell die Mietnebenkosten. Es spricht demnach vieles für nachhaltiges Engagement.

Das sehen offenbar auch viele Anleger inzwischen so. Unsere Online-Umfrage unter mehr als 2000 Anlegern im Oktober, die YouGov in unserem Auftrag bundesweit durchgeführt hat, zeigt, dass bereits 35 Prozent der Befragten es für sehr wichtig halten, wenn ein Immobilienfonds in nachhaltige Immobilien investiert, die zu gleichen Teilen ökologie-, ökonomie- und sozialverträglich sind. Vor allem diejenigen unter ihnen, die als Eltern die Verantwortung für die Zukunft ihrer Kinder tragen, legen großen Wert darauf, dass Anlage-Objekte entsprechende Standards aufweisen. Immerhin 45 Prozent der Privatinvestoren mit drei Kindern sehen das so. Und die junge Generation selbst scheint das zu unterstützen. 47 Prozent der Noch-Studierenden bewertet nachhaltiges Investment als sehr wichtig.

Foto: Amar Adestiempo on Unsplash