Die ‚Neue Seidenstraße‘ – globales Infrastrukturprojekt und Wachstumsmotor

China und die USA kämpfen um die Vorherrschaft in der Weltwirtschaft. Während jedoch Vereinigten Staaten mit Strafzöllen drohen, plant China im Rahmen der „Neue Seidenstraße-Initiative“ (englisch „Belt and Road Initiative“ (BRI)), fast eine Billion Dollar in die Märkte Asiens, Afrikas und Europas zu pumpen. Damit wächst der geopolitische Einfluss des Reichs der Mitte enorm, was allerdings auch ökonomische Chancen für Investoren birgt. Fünf wichtige Punkte:

Was verbirgt sich hinter der Initiative „Neue Seidenstraße“?

Während man im Westen noch versucht, die Pläne für eine „neue Seidenstraße“ zu interpretieren, schafft China bereits Tatsachen. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat die Volksrepublik mehr als 90 Milliarden US-Dollar in Infrastrukturprojekte investiert – wobei jene Projekte, die sich noch in Planung und Bau befinden, nicht mitgerechnet sind. Aufgrund der Dimension der Maßnahmen ist klar: Es geht um mehr als den Ausbau von Handelsrouten und die Erschließung von Märkten und Energiequellen. Vielmehr will China nach Einschätzung von Außenhandelsexperten und Analysten seinen Einfluss in Vorderasien, Afrika und Europa ausbauen.

Welche wirtschaftlichen Chancen gehen mit der chinesischen Offensive einher?

China investiert in den Ausbau von Eisenbahnlinien, Öl- und Gaspipelines, Häfen und Straßenverbindungen. Allein nach Europa sind bis 2018 gut 30 Milliarden Euro geflossen. Das verbessert auch die Infrastruktur innerhalb der europäischen Länder und verschafft den Unternehmen langfristig Aufträge. Brüssel hat bereits reagiert und will von 2021 an rund 30 Prozent mehr Geld bereitstellen, um Europa besser mit Asien zu verbinden.

Um welche Verkehrsverbindungen geht es vorrangig?

Chinas Schifffahrts- und Logistik-Riese Cosco betreibt seit 2009 zwei Containerterminals und erwarb im April 2016 die Mehrheitsanteile am wichtigsten griechischen Hafen in Piräus, der zum Tiefseehafen ausgebaut werden soll. Chinesische Schifffahrtsfirmen investieren aber auch in Häfen in Belgien, den Niederlanden, Kroatien, Slowenien, Italien, Portugal, Spanien, Lettland und Litauen. Außerdem soll der Schienenverkehr erneuert und erweitert werden: So ist eine neue Verbindung geplant, die auch Turkmenistan und Iran erschließen soll. Die chinesische Regierung will zudem Güterzugverkehr und Schiffsrouten vernetzen und plant, den Hafen im italienischen Triest über die Schiene mit einem neuen trimodalen Hub (Straße, Schiene und Wasser) in Košice (Slowakei) zu verbinden. Von dort wiederum führen Schienen nach China.

Wie kann die Logistikbranche profitieren?

Gateway-Logistik-Hubs werden enorm an Bedeutung gewinnen, vor allem in Osteuropa. Investoren in Logistikimmobilien sollten daher die Neue Seidenstraße genau im Blick behalten. Es gibt bereits positive Beispiele, wie man sich für die Zukunft rüsten kann: Der Duisburger Hafen als trimodale Logistikdrehscheibe und Cargobeamer, ein Spezialist für den Schienentransport von nicht kranbaren Aufliegern, haben eine Kooperation für mehr Wachstum im Kombinierten Verkehr (KV) Straße–Schiene vereinbart. Die geplanten Transportrouten versprechen klimaneutrale Logistikketten von Rampe zu Rampe. Von da aus soll es mit Hilfe einer „CboXX“ – einem robotisiert be- und entladbaren Hochvolumen-Bahncontainer – auf der Schiene weitergehen.

Wie können multinational agierende Unternehmen mit chinesischen Partnern kooperieren?

In den Bereichen Energieinfrastruktur und Zugtechnik können chinesische Firmen vom Know-how europäischer Unternehmen einiges lernen. Die chinesischen Hersteller von Schienen für Hochgeschwindigkeitszüge und die Telekommunikationsanbieter sollen – auch in Kooperation mit europäischen Firmen – ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und ihre Management-Kompetenzen erweitern. Siemens etwa ist Partner beim Bau von Hochgeschwindigkeitstrassen und Zügen und verhandelt mit chinesischen Unternehmen über gemeinsame BRI-Projekte.

Mehr zur Belt and Road Initiative und den Chancen für internationale Investoren lesen Sie in den Real I.S.-Research-News Logistik und Neue Seidenstraße