Ein Pop-Up-Store für den Kunden-Mehrwert

Seit Jahren befinden sich Shopping Malls im Rendite-Tal. Klassische Ankermieter wie Elektronikmärkte oder Textilketten leiden besonders stark unter dem E-Commerce-Boom, selbst große Marken verkleinern ihre Verkaufsflächen. Doch es gibt fruchtbare Gegenstrategien: Ein Beispiel aus Berlin zeigt, wie sich mit kreativen Ideen neue Käufergruppen anlocken lassen – und das immer wieder aufs Neue.

Gebäudeumrisse aus bunten Strichen zieren die Schaufenster, vor dem Pop-Up-Store liegt ein Stapel loser Informationsmagazine. Im Inneren sind die hellbraunen Ledersessel zu einer Sitzgruppe zusammengerückt. Die meisten anderen Möbel wurden auf ihren Rollen an den Rand geschoben, um möglichst viel Platz zu machen. Poster und Flyer zieren die Korkwände, vor Kopf ist ein überdimensionierter Stadtplan angepinnt, Menschen blättern in Ausstellungskatalogen. Die Kunst ist zu Besuch in den Schönhauser Allee Arcaden.

 

Dass sich die Besucher der Mall hier einen Monat lang über die Veranstaltungen und Akteure des dreitägigen Festivals „Art Spring“ im Berliner Bezirk Pankow informieren können, ist kein Zufall. Nutzungen wie diese gehören seit drei Jahren fest zum Konzept des 1999 eröffneten Einkaufszentrums: „Mit dem Pop-Up wollen  wir unseren Kunden einen Mehrwert durch regelmäßige Impulse bieten“, sagt Center-Managerin Luisa Lorentz-Leder. Von Anfang an ging es ihr darum, mit neuen Akzenten und Konzepten ein Alleinstellungsmerkmal im sich rasant verändernden Einzelhandel zu schaffen. „Jedes Jahr wachsen die Herausforderungen im Marketing“, ergänzt Lorentz-Leder. 

 

Nicht lange, nachdem sie 2016 das Management der Arcaden übernommen hatte, begannen die Umbauarbeiten im ersten Stock: Ein leerstehendes Geschäft wurde mit maßgeschreinertem Mobiliar bestückt, es entstanden eine kleine Küchenzeile, eine Garderobe. Das Ziel: Eine möglichst neutrale, aber äußerst flexible Fläche schaffen, die im Abstand von drei bis sechs Monaten immer wieder etwas Neues bietet. „Wir wollen als Nahversorger auch in das unmittelbare Umfeld hineinwirken“, sagt Lorentz-Leder und hebt das Nachhaltigkeitskonzept der Mall heraus: Ein kostenloser Lastenradverleih, regelmäßige Workshops zu Themen wie Ressourcensparsamkeit oder Upcycling und auch die schlichte Gestaltung des Pop-Up-Stores mit Naturmaterialien sind Puzzlesteine in dieser Positionierung.

 

Die Schönhauser Allee Arcaden bringen dafür geradezu perfekte Voraussetzungen mit. Inmitten des Prenzlauer Bergs an einem wichtigen Umsteigepunkt von S- zu U-Bahn gelegen, lockt vor ihren Türen der Trubel der Hauptstadt. Kleine Geschäfte und Boutiquen, Cafés und Restaurants prägen das direkte Umfeld. Aber selbst in diesem jungen und urbanen Umfeld fällt es nicht immer leicht, Betreiber für den Pop-Up-Store zu finden. Weniger aufgrund harter Faktoren, die mit dem Standort oder dem Center zu tun hätten, sondern wegen des anspruchsvollen Mieterkonzepts. „Es geht darum, Besonderes zu bieten, Nischen zu besetzen“, erklärt Lorentz-Leder den Hintergrund, „gerade auch als Anknüpfungspunkt für die Nachbarschaft. Aber viele potenzielle Akteure können den logistischen und personellen Aufwand nicht stemmen.“ Für sie ist gerade das jedoch ein weiterer Grund, die Zusammenarbeit mit lokalen Strukturen zu verstärken und mögliche Partner im Kiez zu suchen. Der Informations- und Treffpunkt zu „Art Spring“ entstammt schließlich auch einer Kooperation mit dem Kulturamt Pankow. Und der lokalen Kunstszene.

 

Heißt das, dass ein solches Konzept nur in Großstädten funktioniert? „Nein, für mich wäre das sogar eine Option für die grüne Wiese. Vielleicht müsste man dann ein größeres Konzept wählen, mehr Fläche zur Verfügung stellen und mit noch mehr Mut ins Marketing gehen“, gibt Center-Managerin Lorentz-Leder zu bedenken. Aber vor Ort wieder darauf verzichten? Kommt nicht infrage. Die Zukunft an der Schönhauser Allee liegt aus ihrer Sicht eher in einer weiteren Öffnung nach außen und attraktiven Zusatzangeboten. Seit 2018 wird das Center umfassend saniert – und mittendrin, gleich hinter den Rolltreppen im ersten Stock, ist im Zuge dessen ein Co-Working-Bereich entstanden. Auch bei diesem Angebot haben die ersten Wochen bereits bewiesen: Die Menschen im Prenzlauer Berg wissen es durchaus zu schätzen, wenn ihnen ihr Kiez-Shoppingcenter mehr bietet als Einkaufsmöglichkeiten.

 


CENTER-INFO

 

Die Schönhauser Allee Arcaden entstanden über und neben dem S-Bahnhof "Schönhauser Allee" und wurden 1999 eröffnet. Mit etwa 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und mehr als 90 Geschäften erfüllt es im dicht besiedelten Stadtteil Prenzlauer Berg eine zentrale Nahversorgungsfunktion. Zu den Ankermietern gehören die Deutsche Post/Postbank, ein Discount-, ein Bio- und ein weiterer Lebensmittelmarkt sowie ein Elektronikfachmarkt. Namhafte Modeanbieter wie H&M, Esprit, Görtz, C&A und Mango gehören ebenfalls zu den vertretenen Anbietern.

Das Center wird vom durch Real I.S. aufgelegten Bayernfonds Schönhauser Allee Arcaden betrieben und durch Unibail-Rodamco-Westfield gemanagt. Seit 2016 leitet Luisa Lorentz-Leder als Centermanagerin das operative Geschäft.