„Hello again, London“

Die britische Hauptstadt meldet sich zurück. Trotz Brexit und Corona ist London aus Investorensicht sogar der zurzeit attraktivste europäische Anlagestandort. Die erfolgreiche Impfkampagne im Vereinigten Königreich hat die Wirtschaft wieder durchstarten lassen und auch den Bürovermietungsmarkt zu neuem Leben erweckt.

Großbritannien kommt nicht so richtig zu Ruhe: Erst zähe Brexit-Verhandlungen, dann ein Handelsabkommen mit der EU in letzter Sekunde, nun murren Schotten und Iren, die zum Teil nicht länger zum Vereinigten Königreich gehören wollen. Und dann kam eine Mutation des Corona-Virus, die das Land und vor allem seine Hauptstadt monatelang fest im Griff hatte. Das Gesundheitssystem drohte in der Welle der Neuinfektionen unterzugehen. Und die Sorge der Bevölkerung, der Brexit könne in Kombination mit Corona die Wirtschaft langanhaltend schwächen, wuchs stetig. Keine guten Aussichten für die Briten, so hatte es den Anschein.

Großbritannien impfte sich aus der Pandemie
Doch dann kam die Wende: Großbritannien impfte sich so schnell aus der Pandemie, dass schon Anfang März mehr als 20 Millionen Briten eine erste Impfdosis erhalten hatten. Im April öffneten Pubs, Geschäfte, Friseure und Restaurants. Die Briten sind wieder da, London wieder offen. Diese Botschaft verschafft der heimischen Wirtschaft einen Erholungsschub. Binnen kurzer Zeit prognostizieren Marktteilnehmer UK ein BIP-Wachstum von 5,4 Prozent.

Die Aufbruchstimmung lässt auch den bislang brach liegenden Bürovermietungsmarkt wieder aufleben: Unternehmen aus dem wachsenden TMT-Sektor wie Google, Netflix, Twitter und TikTok haben bereits neue Flächen angemietet oder planen ihre Expansion in naher Zukunft. Und auch die Investoren melden sich zurück: Laut CBRE’s 2021 EMEA Investor Intentions Survey gilt London zurzeit als attraktivstes europäisches Investmentziel. Mehr als 80 Prozent der UK-Anleger wollen in diesem Jahr sogar mehr investieren als vor der Corona-Krise – 2019 waren das immerhin schon 10,9 Milliarden Euro.

Dass London für Investoren immer noch attraktiv ist, zeigte sich schon im Sommer 2020, als die ersten großen Deals über die Bühne gingen, etwa der Verkauf der gemischt genutzten Immobilie One New Oxford Street (WC1) zwischen Tottenham Court Road und der U-Bahnstation Holborn, die für 192 Millionen Euro an Sun Venture aus Singapur ging. Oder auch das Objekt 103 Mount Street (W1), das für 88 Millionen Euro an die US-amerikanische Private Equity Group Stars REI verkauft wurde.

Asiatische Investoren hielten London auch in der Krise die Treue
Weder der Brexit noch Corona haben vor allem asiatische Investoren davon abgehalten, sich schon 2020 Top-Objekte in London zu sichern. So investierten sie dort bereits in ersten Halbjahr 693 Millionen Euro – ein Plus von 74,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so eine Analyse von BNP Paribas Real Estate. Allein im zweiten Quartal wurden 31,4 Prozent aller Investments von asiatischen Investoren getätigt. Zum Vergleich: 2019 waren es 9,8 Prozent.

Das Investoreninteresse scheint ungebrochen und der befürchtete Preisverfall von Büroimmobilien im Zuge des Brexits auszubleiben. Im Gegenteil: Weil viele Eigentümer ihre Objekte in immer noch unsicheren Zeiten nicht verkaufen, bleibt das Angebot knapp und stabilisiert die Preise. Auch pandemiebedingt verzögerte Projektentwicklungen tragen mit zur Verknappung bei: Da Neuflächenwachstum fast zum Erliegen gekommen ist, könnte die Leerstandsrate weiter sinken und die Mieten wieder anziehen lassen. Laut Prognosen des Immobiliendienstleisters PMA ist ein Plus von gut 7 Prozent bis 2023 möglich.