Ho-Ho-Ho: Meister der Logistik

Niemand beherrscht die Warenzustellung so wie der Weihnachtsmann. Sein Traditionsunternehmen beliefert ein Drittel der Weltbevölkerung seit Jahrhunderten – und zwar immer pünktlich. Doch auch ein Santa Claus kann sich weder technischem Fortschritt noch globalen Veränderungen verschließen. Ein augenzwinkernder Blick auf seine Logistik.

Seit Generationen rätseln die Menschen weltweit: Wie macht der Weihnachtsmann das bloß? Pünktlich zum Fest liegen überall dort, wo Weihnachten gefeiert wird, hübsch verpackte Geschenke unter dem Baum – mal unter einer Tanne, mal unter einer Palme, je nach Region. Immerhin rund ein Drittel der Weltbevölkerung überrascht Santa Claus jährlich mit seinen Gaben. Dazu muss er 600 Millionen Haushalte beliefern – und schafft das jedes Mal just in time. Eine logistische Meisterleistung. Zugegeben, er macht das natürlich nicht allein, sondern hat zahlreiche Helfer, die ihn unterstützen.

Dennoch läuft auch in der Weihnachtsmann AG längst nicht immer alles rund. „Da ist zunächst der Luftverkehr, der enorm zugenommen hat. Bei dem Rummel am Himmel wird es auch für uns zeitlich immer enger. Nur in Schweden haben wir kein Problem, weil viele Menschen den Flieger boykottieren und mit der Bahn fahren“, sagte Santa Claus, wie er in vielen Teilen der Welt genannt wird, kürzlich in einem Interview. „Aber ansonsten müssen große Teile der Geschenklieferungen schon im Laufe des Novembers an zentralen Sammelstellen gehortet werden. Aber ehrlich gesagt, wird es immer schwieriger, Grundstücke dafür zu finden. Und wenn wir mal ein Plätzchen ausgekundschaftet haben, ist es schon so teuer, dass wir gleich abwinken.“

Kooperationspartner beliefern Zentraleuropa

Um im weltweiten Wettbewerb um die besten Logistikstandorte mithalten zu können, hat die Weihnachtsmann AG deshalb schon vor Jahren eine Unternehmensberatung mit der Suche nach dem optimalen Standort beauftragt. Das Ergebnis: Kirgisistan. Da bei der Analyse auch Faktoren wie Bevölkerungsdichte und Erdrotation miteinbezogen wurden, hat der Weihnachtsmann sich daher entschieden, im zentralasiatischen Kirgisistan – übrigens direkt an der Seidenstraße, der alten Handelsroute zwischen China und der Mittelmeerregion gelegen, die ja zurzeit massiv reaktiviert wird – ein überregionales Verteilerzentrum einzurichten. „Das erleichtert unsere Arbeit schon erheblich“, so Santa. „Das Problem der letzten Meile bei der Zustellung der Geschenke haben wir damit allerdings noch nicht gelöst. Das wird die wichtigste Aufgabe für die kommenden Jahre sein.“

Für Zentraleuropa hat der Weihnachtsmann bereits vor vielen Jahrhunderten Kooperationsverträge mit dem Christkind und dem Nikolaus geschlossen, die ihre Waren direkt vom Nordpol beziehen und die Aussendung untereinander aufgeteilt haben: Das Christkind beliefert große Teile in Süd- und Westdeutschland, in Luxemburg, Österreich, Südtirol und Osteuropa. Für den Süden Brasiliens gibt es einen weiteren Subunternehmer. Und in der Schweiz ist der Nikolaus für die Zustellung zuständig. Den nicht unerheblichen Rest der Welt fliegt Santa immer noch selbst mit seinen Rentieren an, was nicht unproblematisch ist – vor allem hierzulande nicht.

Unerwartete Nebeneffekte der Energie-Einspar-Verordnung

„Wir haben immer mehr Schwierigkeiten bei unseren Landeanflügen auf den Dächern der Privathäuser, seit so viele Menschen Sonnenkollektoren installiert haben. Meine Rentiere rutschen darauf aus, vor allem, wenn es regnet oder schneit. Dazu kommt die ständige Verschärfung der EnEV. Allein die Schornsteine, die immer schmaler werden. Wer bitte schön soll da durchpassen. Wir sind schon fix und fertig, bevor es mit dem Verteilen los geht“, gesteht der ältere Herr. „Wir wissen, dass es auf Dauer andere Lösung geben muss.“

Der Weihnachtsmann ist dem technischen Fortschritt gegenüber durchaus aufgeschlossen, mailt und twittert – und sukzessive werden die alten Poststellen – etwa in Engelskirchen, Himmelpforten, Himmelstadt und Nikolausdorf – geschlossen und die elektronische Post zentral am Nordpol verwaltet. Und er gibt auch zu, vom neuen Wunschverhalten der Erdbewohner durchaus zu profitieren. „Statt früher Schaukelpferde und Teddybären mühselig auf dem Schlitten verstauen zu müssen, packen meine Wichtel heutzutage ganz locker ein paar tausend Apple Watches oder Selfie-Sticks inklusive einer großen Menge von iTunes-Gutscheinen in meinen Sack. Das ist schon großartig.“

Bei einer Sache zeigt sich Santa aber nicht kompromissbereit: Drohnen, die inzwischen weltweit zum Einsatz kommen, erklärt er nach wie vor eine Absage. „Wir sind und bleiben ein Traditionsunternehmen“, sagt der Geschäftsführer der Weihnachtsmann AG. „Wir werden den Schlitten und unsere Rentiere nicht zugunsten von Drohnen abschaffen. Damit würden wir unser Alleinstellungsmerkmal aufgeben.“

Mehr zu den Herausforderungen, denen auch konventionelle Logistikdienstleister in der Adventszeit begegnen, lesen Sie in den Real I.S.-Research-News Weihnachten und die Herausforderungen der letzten Meile.