Innovation Award 2020 – kluge Köpfe, kreative Ideen

Auch in diesem Jahr hat der „Real I.S. Innovation Award 2020“ gezeigt, dass auf den Nachwuchs in der Immobilienwirtschaft Verlass ist. In den Kategorien „best start-up next“ und „best start-up now“ überzeugten zwei international besetzte Teams von Studierenden der EBS Universität für Wirtschaft und Recht mit Projektideen, die sich durch Innovationskraft und gute praktische Umsetzbarkeit auszeichnen.

Wie kann man seinen Mitarbeitern den Aufenthalt im Büro angenehmer gestalten? Für Alexander Schwab und seine Mitstudierenden an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht war das die zentrale Frage, auf die sie eine konkrete Antwort finden wollten. „Im Durchschnitt verbringt jeder von uns 13 Jahre seines Lebens an seinem Arbeitsplatz“, sagt Schwab. „Da sollten die Räumlichkeiten schon ansprechend sein.“ Dass auch die persönliche Einstellung zum Arbeitsumfeld sich stetig verändert, war die Basis ihrer Überlegungen. Drei zentrale Erkenntnisse hat der akademische Nachwuchs zur Grundlage seiner Lösungsfindung gemacht:

  1. In einer Umfrage von Management Today – bereits aus dem Jahr 2003 – haben 97 Prozent der Befragten angegeben, dass sie ihren Arbeitsplatz als ein Symbol dafür ansehen, ob sie von ihrem Arbeitgeber geschätzt werden oder nicht.
  2. Rund 75 Prozent der Mitarbeiter sagen, dass ihr Unternehmen zwar einen schönen Raum für Team-Treffen anbietet; aber weniger als die Hälfte geben an, dass ihr Unternehmen nette Räume für Privatsphäre oder Entspannung bereitstellen.
  3. Fast die Hälfte der amerikanischen Arbeitnehmer könnte langfristig engagierter sein, wenn ihre Arbeitgeber ernsthaft über ihre Umgebung nachdenken würden.

Das junge internationale Team um Alexander Schwab hat genau das getan. Und kam zu dem Ergebnis, das „DigiWalls“ enorm dazu beitragen könnten, die verbreitete Tristesse aus den Büroräumen zu verbannen. Die Idee: Mittels digitaler Projektionen können langweilige weiße Wände individuell gestaltet werden. Ein breites Spektrum unterschiedlichster Darstellungen von Porträts über Kunst aus verschiedenen Epochen bis zu Naturbildern sollen künftig sowohl in statischer als auch in animierter Form Arbeitsplätze verschönern. Der Clou: Die Projektionen sind jederzeit austauschbar, sodass sie der gewünschten Büroatmosphäre flexibel angepasst werden können. „Wenn ich beispielsweise während der Arbeitszeit die Vision einer grünen Wiese favorisiere, kann ich während meiner Mittagspause die Illusion eines Tauchgangs in der Karibik auf die Wand zaubern“, so Schwab. Möglich macht das ein 10 Zentimeter hoher und 50 Zentimeter breiter Videoprojektor, der direkt unter einer Wand platziert und jederzeit erweiterbar ist, um auch größere Flächen zu bespielen. Die angezeigten Bilder können über die Webschnittstelle oder über die App verwaltet werden. Die Jury des „Real I.S. Innovation Award 2020“ hat diese visionäre Geschäftsidee so sehr überzeugt, dass sie das Projekt „Digiwalls“ in der Kategorie zum „best start-up next“ kürte.

Nicht weniger spannend und innovativ ist der Ansatz der sechs EBS-Studierenden, die sich in der Kategorie „best start-up now“ mit ihrer Internetplattform „Artisan!“ durchsetzen konnten. Die Plattform sieht Co-Crafting-Räume vor, die alles an Ausstattung, Ausrüstung, Beratung und Gemeinschaft bieten, was für den Erfolg als Heimwerker notwendig ist. „Das Ganze hat ein bisschen was vom Werkunterricht in der Schule“, gibt Christian Klare, einer der Initiatoren von Artisan, schmunzelnd zu. „Die Hobbywerker sollen nicht nur die Möglichkeit erhalten, preisgünstig Werkzeuge benutzen zu können, sondern auch, sich miteinander auszutauschen und voneinander zu lernen.“

Der Ansatz der Studierenden umfasst gleich mehrere Ansätze, die wegweisend für künftige Immobilienentwicklungen sein könnten: Zum einen macht es aus Sicht des Kunden die Nutzung teurer Werkzeuge und Maschinen wie etwa CNC-Fräsen möglich – und das Ganze zu einem festen Abonnementpreis. Zum anderen können sich vor Ort Hobbyheimwerker mit Profis austauschen. Denn die Plattform bietet auch kleineren Handwerksbetrieben und Firmen, die regional tätig sind, enorme Vorteile. „Wer als Handwerker beim Kunden größere Reparaturen ausführen oder auch Einbauten vornehmen will, kann Vorarbeiten in den Co-Crafting-Einrichtungen erledigen“, sagt Klare, der zurzeit in London an seinem Master im Management arbeitet. „Ideal für solche Standorte sind aus unserer Sicht Baumärkte in Industriezonen, die entsprechende Flächen besitzen und mit denen man kooperieren könnte.“ber auch im innerstädtischen Raum sind Co-Crafting-Räume denkbar – dort allerdings in kleinerem Rahmen, etwa für Modellbauer, Designer, Kostümgestalter, aber auch für Schulklassen oder Vereine. „In den Städten müssten kleinere Maschinen zum Einsatz kommen, um den entsprechenden Lärmschutzverordnungen gerecht zu werden“, so Klare. Unabhängig vom Standort schwebt den künftigen Immobilienprofis vor, auch Kommunikationsräume mit kleinen Bars, Cafés und Showrooms zu schaffen, in denen man sich austauschen oder auch beraten lassen kann. So profitierten alle gleichermaßen: Die Heimwerker, die Immobilienanbieter und zuletzt die Städte, die kreative Orte ausweisen, neue Fixpunkte schaffen und Leerstand von Gebäuden vorbeugen können, für die es kaum Nachnutzung gibt.