Madrid – Stadt mit Potenzial und Perspektive

Noch hat Spanien mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Dennoch sind die Weichen vor allem in der Hauptstadt auf Zukunftskurs gestellt. Infrastrukturprojekte, Wohnungsbau und zahlreiche neue Büroimmobilien festigen Madrids Ruf als Investitionsstandort.

Das Pandemiejahr 2020 hat auch Spaniens Wirtschaft erschüttert. Trotzdem vergaben ausländische Investoren im vergangenen Jahr bei der Bewertung des Landes von fünf möglichen Punkten immerhin noch 2,8 – nach drei Punkten im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt das Geschäftsklima-Barometer der spanischen Außenwirtschaftsagentur ICEX nach einer Befragung von 830 Unternehmern, von denen 18 Prozent aus Deutschland stammten.

Dass sich zudem 2020 sogar weniger Unternehmen von der Iberischen Halbinsel zurückgezogen haben als 2019, spricht zudem für langfristige Planung und die Perspektiven, die mit der Entwicklung Spaniens verbunden werden. Von Januar bis Oktober 2020 wurden noch 422 internationale Greenfield-Projekte im Land gezählt. Mehr solcher Vorhaben konnten nur die USA, Großbritannien und Deutschland vorweisen.

Die Spanier selbst sehen ihre Zukunft positiv und wollen „digitaler und grüner“ werden. Wie ernst sie das nehmen, zeigen die jüngsten Erfolge bei der Versteigerung von Fotovoltaik- und Windenergiekapazitäten im Januar 2021: Unternehmen boten für dreimal mehr Megawatt als überhaupt verfügbar waren, berichtet Germany Trade & Invest (GTAI). Andere Branchen kämpfen sich bereits aus der Krise zurück, etwa die Bauindustrie. Lagen die Investitionen Ende 2020 zwar noch um 17,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau, versprechen Infrastrukturprojekte und der Bedarf an Wohnungen sowie Logistikgebäuden mittelfristig vorteilhafte Entwicklungen – vor allem in und um Madrid.

In der spanischen Landeshauptstadt nimmt das Großprojekt „Madrid Nuevo Norte“ Formen an. Auf rund 2,4 Millionen Quadratmeter Fläche soll ein Quartier entstehen, das Wohnen, Arbeiten und Freizeitleben miteinander kombiniert. Gut eine Million Quadratmeter sind für rund 10.500 Wohneinheiten vorgesehen, fast 400.000 Quadratmeter für Grünflächen, 100.000 Quadratmeter kommen dem Handel zugute. Hinzu kommt ein erweitertes Angebot an Bus- und Bahnverbindungen sowie der Umbau des betagten Bahnhofs Chamartín, der ein moderner Vorzeigebahnhof mit unterirdischem Gleisanschluss werden soll.

Mehr als 1,5 Millionen Quadratmeter sind im Rahmen des Projekts für Büros vorgesehen. Das wird zur deutlichen Aufwertung des Madrider Büromarktes beitragen. Bereits heute gehört Madrid mit einem Büroflächenbestand von 8,5 Millionen Quadratmetern zu den bedeutendsten 20 Büromärkten im Euroraum. Als internationales Finanz- und Handelszentrum hat ein großer Teil der spanischen Banken und Versicherungskonzerne sowie die spanische Börse ihren Sitz in Madrid. Rege Nachfrage verzeichnet aber auch die Technologiebranche.

In den vergangenen Jahren ist der Leerstand in der Kapitale von 12,2 Prozent (2014) auf 8,4 Prozent (2019) gesunken, die höchsten Mieten pendelten sich um einen Wert von 400 Euro pro Quadratmeter ein. Sind die Mieten auch im Laufe des vergangenen Jahres leicht zurückgegangen – Expertenschätzungen zufolge um 1,5 Prozent, so wird laut Property Market Analysis mittelfristig wieder mit Steigerungen von 3,4 Prozent (2023) und 6,2 Prozent (2024) kalkuliert. Zum Vergleich: In anderen europäischen Großstädten sind die Spitzenmieten noch stärker zurückgegangen. Die Renditechancen für Büroinvestments liegen in Madrid seit 2019 bei 3,2 Prozent und sollen im laufenden Jahr weiter stabil bleiben. Damit spielt die spanische Hauptstadt in derselben Liga wie Wien, Stockholm oder Helsinki.