Mehr Kooperation, besserer Klimaschutz

Logistikimmobilien haben sich in den vergangenen Monaten als krisensicher erwiesen. Immerhin garantieren sie auch die Versorgung der Gesellschaft mit wichtigen Gütern und Waren. Daher rücken die Gebäude als Anlageklasse stärker in den Fokus. Investoren und Betreiber stehen aber auch immer mehr in der Verantwortung, für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu sorgen. Die aktuelle Studie „Klimabilanz – Fahrplan für Logistikimmobilien“ der Initiative Logistikimmobilien (logix), die von der Real I.S. mitinitiiert wurde, zeigt, wo die Branche steht und was sie verbessern kann.

Logistikimmobilien sind längst keine Nischenprodukte mehr. Allein in Deutschland werden jährlich neue Mietverträge für bis zu sieben Millionen Quadratmeter Industrie- und Logistikimmobilienflächen geschlossen. Wie wichtig die optisch oftmals eher unscheinbaren Gebäude sind, hat sich vor allem in jüngster Zeit gezeigt: Logistikimmobilien spielen eine entscheidende Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung mit Waren, was vor allem in der anhaltenden Corona-Krise nicht zu unterschätzen ist. Daher wundert es kaum, dass immer mehr Investoren ihr Interesse an dieser Anlageklasse bekunden. Daraus erwachsen aber auch Verpflichtungen – etwa in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Sowohl Immobilien als auch Fahrzeuge stehen immer häufiger auf dem Prüfstand, wenn es um Umweltfragen geht. Auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene gibt es zudem immer mehr Regeln, die es zu beachten gilt. Das setzt die Branche unter Zugzwang, birgt aber auch jede Menge Chancen, die Zukunft mitzugestalten. Wie das funktionieren kann, haben die Autoren der logix-Studie „Klimabilanz – Fahrplan für Logistikimmobilien“ in ihrer aktuellen Untersuchung aufgezeigt.

Schon heutzutage tragen viele Projektentwickler und Betreiber von Logistikimmobilien dazu bei, dem Grundgedanken des Klimaschutzes Rechnung zu tragen. Um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, kommen beispielsweise moderne Dunkelstrahler und LED-Beleuchtung sowie hochwertige Dämmstoffe in den Gebäuden oder Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen zum Einsatz. Nach wie vor sind das jedoch freiwillige Initiativen, die nicht aufeinander abgestimmt oder untereinander vergleichbar sind. Der Grund dafür: Konkrete Kriterienkataloge, Kosten-Nutzen-Abwägungen und Benchmarks von offizieller Seite existieren bislang kaum. Dabei wäre eine einheitliche und standardisierte Berechnungsmethodik, um ein Ausgangsniveau sowie die Wirkung von Maßnahmen überhaupt ermitteln oder verbessern zu können, die Basis für die Reduzierung von CO2.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die aktuellen CO2-Bilanzen von Logistikimmobilien beschränken sich auf den reinen Energieverbrauch des jeweiligen Gebäudes – was aber fast ausschließlich mit dessen jeweiliger Nutzung zusammenhängt. Treibhausgasemissionen, die beim Bau selbst oder bei der Herstellung von Baumaterialien entstanden sind, angeschlossene Transporte oder Prozesse außerhalb der Immobilie fließen üblicherweise nicht in eine CO2-Bilanz des Objekts, sondern bestenfalls in die des nutzenden Unternehmens ein, monieren die Studienautoren.

Mit der neuen CO2-Bepreisung, die im kommenden Jahr in Kraft tritt, werden fossile Heiz- und Kraftstoffe zwar teurer werden – Bund und Länder einigten sich im Vermittlungsausschuss darauf, den CO2-Preis ab Januar 2021 auf zunächst 25 Euro pro Tonne festzulegen – gleichzeitig sollen die Nutzung klimaschonender Technologien wie Wärmepumpen und Elektromobilität, das Sparen von Energie und die Nutzung erneuerbarer Energie dadurch lohnender werden. Das ist die Chance für die Logistikbranche, mögliche Emissionen und deren Reduktion bereits im Planungsstadium von Neubauprojekten zu berücksichtigen – und so Kosten zu reduzieren und Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen.

Für die Studienautoren ist für den Erfolg einer Logistikimmobilie aber auch die Balance zwischen Kosten und Qualität des Gebäudes entscheidend. Leider sei in den vergangenen Jahren noch zu häufig zugunsten der Kostenersparnis das Gleichgewicht gestört worden. Allerdings sind sie zuversichtlich, dass sich das aufgrund der steigenden Zahl an Regularien und der Incentivierung ändern wird. Hilfreich dabei seien auch die Nachhaltigkeitszertifikate, die den richtigen Weg wiesen – wenn auch nur als „als erster Schritt im CO2-Lebenszyklus“ einer Immobilie.

Aus Sicht der Immobilienexperten wird der Druck auf die Logistikimmobilienwirtschaft in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen. Nicht zuletzt könnten die Kommunen dafür sorgen, dass künftige Projekte klimaneutral und nachhaltig geplant sowie umgesetzt werden. Das dürfte nicht weiter schwierig sein, da Neubauten heutzutage grundsätzlich über einen wesentlich höheren Standard, etwa im Bereich der Energieeffizienz, verfügen. Anders sieht es bei Bestandsimmobilien aus, die nur selten nachhaltigen Ansprüchen genügen. Ihre Sanierung und Modernisierung im Sinne des Klimaschutzes sollte durch entsprechende Förderung seitens der Politik begleitet werden. Das wäre der Studie zufolge „der logische und wünschenswerte nächste Schritt auf dem bereits beschlossenen Weg in eine klimaneutrale Logistik“. Die Frage sei auch schon lange nicht mehr, ob, sondern „vielmehr wann und wie jeder einzelne Marktakteur sich auf diesen Weg begibt“.

Die logix-Studie steht hier zum Download bereit: www.logix-award.de/forschung/