Pro & Contra Brexit: Droht ein Crash?

Am 12. Dezember wählen die Briten. Ob es diesmal hilft? Schließlich ist seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 ist Ungewissheit die einzige Konstante. Wie werden die EU-GB-Beziehungen in Zukunft aussehen? Was geschieht mit der Wirtschaft? Und droht ein Crash auf den Immobilienmärkten? Ein Pro & Contra.

Pro

Eigentlich kann kein Zweifel bestehen. Die Geschichtsbücher werden den Brexit eines Tages als eine der einschneidendsten Zäsuren des frühen 21. Jahrhunderts beschreiben: ein Rückfall in nationalistische Selbstbezogenheit, eine Abkehr von internationaler Zusammenarbeit, ein volkswirtschaftliches Desaster in zahlreichen Ländern. Schon vor dem Austritt ist klar, dass das Vereinigte Königreich teuer dafür bezahlen wird. Fast ein Drittel der britischen Unternehmen hat seinen Geschäftssitz in ein anderes europäisches Land verlegt oder erwägt einen solchen Schritt. Das Pfund hat in den drei Jahren seit dem Brexit-Referendum massiv gegenüber dem Dollar verloren, was viele verschuldete britische Verbraucher dazu zwingt, ihre Konsumausgaben zu reduzieren. Und Ungemach blüht selbst bei Gewerbeimmobilien: Dem Analyseunternehmen Capital Economics zufolge könnten deren Preise im ersten Jahr nach einem harten Brexit um 7,4 Prozent einbrechen.

Dass mancher behauptet, Deutschland und die EU seien zu groß und zu robust aufgestellt, um ernsthaft unter den Brexit-Folgen zu leiden, ist unhaltbar. Ein simpler Blick auf die wichtigsten Industriezweige beweist das Gegenteil. Mehr als 665.000 Fahrzeuge exportierten beispielsweise die deutschen Autohersteller im Jahr 2018 nach Großbritannien und Nordirland. So viel wie in kein anderes Land der Welt. Fällt das Pfund weiter und werden plötzlich Zölle nach den Regeln der Welthandelsorganisation fällig, dürften diese Zahlen einbrechen. Zusammen mit den ohnehin schon unter Druck stehenden Zulieferindustrien – Stichwort: E-Mobilität – könnte dies Arbeitsplätze im sechsstelligen Bereich kosten. Die These, ein derartiger Crash werde sich nicht auf die Gesamtwirtschaft und damit unmittelbar auch auf den Gesamtmarkt für Gewerbeimmobilien auswirken, ist deshalb unverantwortlich.

 

Contra

Nein und nochmals nein. Es gibt keinen Grund, den Brexit zum apokalyptischen Ereignis hochzujazzen. Selbst wenn das Vereinigte Königreich den EU-Austritt im März 2020 oder später ohne Assoziierungsabkommen vollziehen sollte, wird deshalb nicht die Welt untergehen. Dazu sind sowohl dies- als auch jenseits des Ärmelkanals mittlerweile zu viele Weichen gestellt worden, die eine echte Krise verhindern werden – andernfalls hätten die Akteure der sensiblen Finanzmärkte längst die Reißleine gezogen und sich aus London verabschiedet. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Zwar eröffneten einige große Unternehmen, die auf einen schrankenlosen Zugang zum europäischen Binnenmarkt angewiesen sind, neue Geschäftssitze in Paris oder Amsterdam. Doch die Büros in der City of London hat kaum jemand aufgegeben. Warum auch? Die britische Hauptstadt ist seit Jahrhunderten einer der wichtigsten Handelsknotenpunkte der Welt. Und wird es auch nach einem harten Brexit bleiben.

Für die EU und die Währungsunion besteht noch weniger Risiko eines signifikanten Abschwungs. Natürlich könnte es in den ersten Monaten, bevor neue Handelsverträge zwischen EU und UK ausgehandelt sind, zu leichten Rückgängen bei den Exporten auf die Insel kommen. Doch die britische Regierung hat bereits angekündigt, auf Importzölle weitestgehend verzichten zu wollen. Und gerade auf den Immobilienmärkten hat der bisherige Verlauf des Brexit-Prozesses bereits positive Folgen: In Frankfurt bauten 45 Banken und Finanzdienstleister ihre Präsenz aus, und schufen damit neue Jobs. Seit 2016 stiegen die Kaufpreise für Gewerbeflächen infolgedessen um mehr als 19 Prozent, die Mietpreise um mehr als elf Prozent. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass die EU-Strategie, hart zu verhandeln und den neuen Standort-Wettbewerb mit dem Vereinigten Königreich von Beginn an ernst zu nehmen, richtig war und ist. Denn Wettbewerb ist die wichtigste Triebfeder für Innovation und Wachstum. Daran kann auch ein harter Brexit nichts ändern.

 

Fazit

Solange sich im Vereinigten Königreich keine Regierung mit einer stabilen Parlamentsmehrheit gebildet hat, lässt sich der Ausgang des Brexit-Prozesses nicht vorhersagen. So zerstritten die Politiker auf der Insel, so uneinig die Prognosen. Die beste Lehre daraus? Anleger sollten weder einseitig auf einen harten Brexit und einen ökonomischen Einbruch setzen, noch die Risiken unterschätzen. Eine internationale und diversifizierte Investmentstrategie ist auch im Brexit-Durcheinander das probateste Mittel.