Remote Recruiting: Menschliche Verbindung trotz räumlicher Trennung

Seit einigen Wochen ist nichts mehr so, wie es mal war – weder in unserem Privat- noch in unserem Arbeitsleben. Viele Büros sind weitgehend verwaist. Erst wurden externe Veranstaltungen abgesagt, dann folgten die internen Meetings. Viele Unternehmen haben inzwischen fast komplett auf Homeoffice umgestellt. Das klappt in den meisten Fällen ganz gut. Aber wie lädt man heutzutage einen Kandidaten zu einem Vorstellungsgespräch ein, wenn er nicht mehr physisch anwesend sein kann?

Die gute Nachricht ist: Wichtige Talente können auch in Corona-Zeiten gewonnen werden. Denn der Fachkräftemangel ist trotz Kurzarbeit in einigen Branchen nach wie vor Realität. Deshalb ist es wichtig, Bewerbungsgespräche auch ohne den klassischen Meeting-Raum möglich zu machen. Die technischen Voraussetzungen sind häufig schon gegeben, man muss sie nur konsequent nutzen.

Auch bei der Real I.S. haben wir uns darüber Gedanken gemacht und setzen nun auf Videokonferenzen, die vielfältige Möglichkeiten bieten, sich virtuell zu begegnen. Dank entsprechender Software kann man sich in Echtzeit über das Internet treffen, und unsere Erfahrung zeigt, dass ein Recruiting-Gespräch via Videokonferenz einem persönlichen Gegenübersitzen schon sehr nahekommt und sogar einige Vorteile bieten kann – vorausgesetzt, man beachtet ein paar wichtige Punkte.

Noch nie konnten Recruiter einen Blick ins Wohnzimmer des Kandidaten werfen

Ein lockerer Einstieg in das Gespräch ist jetzt noch wichtiger als bei einem Vor-Ort-Gespräch. Denn die obligatorische Begrüßung mit Händeschütteln und der Smalltalk über eventuell widrige Witterungsbedingungen oder Verkehrsprobleme wie verspätete Züge entfallen. Dafür bietet vielleicht das Bücherregal im Bildschirmhintergrund den Auftakt für das Gespräch oder auch ein ungewöhnliches Möbelstück. Vielleicht hat es der Bewerber in seiner Freizeit selbst gebaut. Noch nie hatte man als Recruiter die Chance, einen Blick in das Privatleben eines Kandidaten zu werfen. Das kann positiv genutzt werden und zudem dafür sorgen, dem Bewerber die Nervosität zu nehmen. Trotz geografischer Entfernung kann man so menschliche Nähe und Vertrauen schaffen.

Auch ein Assessment-Center über eine Online-Verbindung ist möglich: Um die fachliche Kompetenz eines Kandidaten zu prüfen, könnte man ihn eine Case Study via Screen Sharing absolvieren lassen. Überlegenswert ist auch, künftige Kollegen des Bewerbers über das Programm dazuzuschalten, damit sich alle ein Bild vom jeweils anderen machen können. Anders als bei einem „normalen“ Vorstellungsgespräch bietet die Online-Konversation die Chance, auch Mitarbeiter von überall in der Welt mit einzubeziehen. Dafür könnte man auch eigene virtuelle Räume außerhalb der eigentlichen Konferenzschaltung einrichten. Alle sind zurzeit in derselben Situation des Homeoffice, können entspannt miteinander reden – und müssen nicht zum Bahnhof oder Flughafen hetzen, um das nächste Meeting noch pünktlich zu erreichen.

Jetzt kommt Remote Recruiting schneller als gedacht

Die Eigenpräsentation des Unternehmens kann in diesem Zusammenhang ein Schritt zum besseren gegenseitigen Kennenlernen sein. Web-gehostete Dienste wie GoTo-Meeting, WebEx, Zoom oder Skype bieten dafür sehr viele Möglichkeiten. Egal für welchen Dienst man sich als Unternehmen entscheidet – vor dem Termin sollte der Bewerber rechtzeitig über das verwendete Tool und die dortigen Kontaktdaten sowie eine Telefonnummer im Fall von technischen Schwierigkeiten unterrichtet werden. Und dann gilt für alle: Im Vorfeld alles testen, damit es beim anberaumten Termin nicht schiefgeht.

Noch steckt Remote Recruiting in den Kinderschuhen. Jetzt ist freilich davon auszugehen, dass es sich schneller als gedacht durchsetzen wird. Denn bei aller Tragik, die mit dieser Krise einhergeht, gehört die verstärkte Nutzung von digitalen Medien zu den positiven Aspekten. Wer sich jetzt auf Online-Vorstellungsgespräche konzentriert, profitiert zudem gleich mehrfach: Als Unternehmen kann man seinen Organisationsaufwand verringern und den Auswahlprozess beschleunigen – und spart außerdem noch die Kosten für Reise und Übernachtung des Bewerbers. Auch bei der Vorauswahl von Kandidaten kann die Videokonferenz eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Mimik, Gestik und das Gesamtauftreten sagen häufig mehr als jede Bewerbungsunterlage. Ob jemand zum Unternehmen passt oder nicht, lässt sich so schon früh feststellen.

Und etwas sollte nicht unerwähnt bleiben: Wer auf digitale Recruiting-Lösungen setzt, punktet als Unternehmen bei den meisten Bewerbern. Und wer möchte nicht als moderner und attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden? Und noch dazu als einer, der durch Remote Recruiting zugleich auf Nachhaltigkeit setzt und die Umwelt schont.